Michael Reck Referent beim „Wirtschaftstag Brasilien“


Herr Dipl.-Ing. (FH) Michael Reck

Praxistipps und Stolperfallen

Michael Reck war Referent beim  „Wirtschaftstag Brasilien“

Am 22. Mai referierte Michael Reck, Inhaber der in Bildechingen beheimateten  RECK+GASS Ingenieurgesellschaft für Bauwesen mbH + Co. KG, in Bruchsal zum Thema „Brasilienerfahrung – Praxistipps und Stolperfallen“. Reck ist seit fünf Jahren für sein stetig wachsendes Unternehmen im größten südamerikanischen Land tätig, und kennt es wie kaum ein anderer mittelständischer Unternehmer aus der Region.

Der „Wirtschaftstag Brasilien – Chancen, Stolpersteine und Partner bei der Markterschließung“ fand in der Volksbank Bruchsal-Bretten eG in Bruchsal statt. Veranstalter war die Regionale Wirtschaftsförderung Bruchsal in Kooperation mit der Industrie- und Handelskammer Karlsruhe und Baden-Württemberg International.
„Baden-Württemberg International fragte bei mir an, ob ich beim >Wirtschaftstag Brasilien< über meine Brasilienerfahrung referieren würde, was ich natürlich gerne tat“, erklärt Michael Reck. Er ließ die Zuhörer als einer von drei Referenten an seiner reichhaltigen Erfahrung als mittelständischer Unternehmer in Brasilien teilhaben. „Da ich seit 2009 mehrmals im Jahr nach Brasilien reise, kann ich realistisch und ohne Schönfärberei berichten, was ein deutscher Unternehmer im brasilianischen Arbeitsalltag erlebt“, sagt Reck.

Der Ingenieur betrat Brasilien zum ersten Mal 2009 mit einer Delegationsreise und knüpfte erste Geschäftsbeziehungen auf Kontaktbörsen in Rio de Janeiro, São Paulo und Porto Alegre. Weitere Meilensteine des Brasilienengagements von Reck+Gass waren ein Joint-Venture-Kooperationsvertrag im November 2009,  die ersten großen eigenen Aufträge 2010, die Gründung der Tochtergesellschaft MRG und die Eröffnung des eigenen Büros mit deutschem Büroleiter in São Paulo 2011. Durch die Anstellung weiterer brasilianischer Mitarbeiter kam es seither zu mehr Aufträgen durch brasilianische Kunden und in der Folge seit 2013 zu Kooperationsverträgen mit Kunden vor Ort.

„Brasilien ist nicht mit europäischen Maßstäben zu vergleichen“, benannte Reck bei seinem Referat die Schwierigkeiten, die bei einem unternehmerischen Engagement in Lateinamerika auftreten. Angefangen von der Sprachbarriere über bürokratische Hemmnisse wie Visum, Legitimation oder Bankkontoeröffnung bis hin zu technischen Hürden wie Normen, Programmen oder Datenleitungen könnten viele Stolperfallen lauern. „Oft höre ich in Brasilien auch den Ausdruck >Deutschland ist gut, aber teuer<“, erzählte Reck. „Made in Germany wird zwar durchaus honoriert, aber die Brasilianer orientieren sich mehr an den USA und deren weniger strengen Qualitätsstandards.“ Weitere Schwierigkeiten, so Reck, seien die „Custo Brasil“, die „brasilianischen Kosten“, sprich die hohen Steuern, die ineffiziente Verwaltung, die weit verbreitete Korruption und der Fachkräftemangel. Hinzu komme die Honorardifferenz von Deutschland zu Brasilien.

„Nicht zu vernachlässigen ist natürlich auch das persönliche Sicherheitsrisiko“, wusste Reck anschaulich zu berichten. „São Paulo ist eine der gefährlichsten Städte der Welt, und man muss sich schon vorsehen.“
Trotz dieser Stolperfallen überwiegen für Reck die Vorteile seines Brasilienengagements bei Weitem.  „Durch unser Engagement in Brasilien sind wir als Ingenieurbüro auch national besser positioniert“, erläuterte der Ingenieur in Bruchsal. „Durch unsere internationale Arbeit und unsere beiden Standorte in Horb und São Paulo sind wir als Arbeitgeber attraktiver und haben auch bei unseren Kunden ein positiveres Standing.“
Beides habe sich bereits bemerkbar gemacht: Bei Reck+Gass sind mittlerweile auch Mitarbeiter aus dem europäischen Ausland, zum Beispiel aus Griechenland, beschäftigt. Und durch die Internationalität gewann das Unternehmen mit Standorten in Horb und São Paulo vermehrt Neukunden.

Die Liste der Kunden der brasilianischen Tochtergesellschaft MRG ist lang. Darunter befinden sich namhafte Unternehmen wie Kärcher, Agco, das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland und das Goethe-Institut.
„Das Ziel unserer Brasilientätigkeit war es zu Beginn, für deutsche Kunden in Brasilien tätig zu sein“, bilanzierte Reck seine Ausführungen. „Seit etwa eineinhalb Jahren hat sich dies gewandelt, und wir erhalten unsere Aufträge vermehrt von brasilianischen Kunden.“ Als Beispiele nannte er die Tragwerksplanung für eine Segelschule und ein Hospital.
„Brasilien bietet nach wie vor Möglichkeiten neuer Projekte“, schloss Reck seinen Vortrag beim „Wirtschaftstag Brasilien“. „Die Projektgrößen sind mit Europa nicht vergleichbar, fordern uns als Ingenieure und sind uns Motivation.“